Lass uns mal über das Älterwerden reden.
Die Medien bombardieren uns von allen Seiten mit der Botschaft: „Nur wer jung ist und nach unseren Maßstäben schön aussieht, der ist etwas wert.“ Dazu kommt eine ganze Flut von Produkten, die angeblich „gegen“ das Altern kämpfen.
Aber was ist mit der Pflege des Alterns?
Einerseits wird uns von überall erzählt, wir sollen uns so akzeptieren, wie wir sind – während man uns gleichzeitig Dinge verkaufen will, die nicht nur überflüssig sind, sondern jedes vernünftige Maß überschreiten. Aber gut, die Leute im Marketing müssen ja auch irgendwie über die Runden kommen, oder? Wir wollen hier keine Windmühlen bekämpfen.
Reden wir lieber über uns.
Wie viele von euch haben schon mit Mitte zwanzig die ersten grauen Haare entdeckt und sind sofort zum Friseur gerannt – obwohl ihr bis dahin noch nie ans Färben gedacht hattet?
Dachte ich mir.
Und das ist alles die Folge von: Bleib immer jung, kämpfe gegen das Altern.
Graue Haare? Kein bisschen peinlich
Kommen wir zurück zu den grauen Haaren. Natürlich bin ich eine jener Glücklichen, die schon nach dem 25. Geburtstag jede Menge graue Haare hatte – inzwischen sogar richtige Strähnen. Und ich habe mir jede einzelne davon verdient, wenn man dem alten Glauben folgt, dass man von Sorgen grau wird. Ich finde das eigentlich charmant – und sage gerne von mir, dass ich wie Rogue bin (ja, ich meine die X-Men-Heldin auf dem Bild – wer’s kennt, kennt’s).
Nein, ich habe weder das Bedürfnis noch den Wunsch, meine grauen Haare zu verstecken. Und nein, färben werde ich mich nicht – zumindest nicht in absehbarer Zeit.
Ich war schon immer gegen das Färben, aus mehreren Gründen. Vor allem liebe ich meine natürliche Haarfarbe – kein Farbton der Welt könnte die Übergänge zwischen dunkel- und hellblond sowie Braun und Rot so treffen wie die Natur das bei mir getan hat.
Außerdem wäre das Färben für mich eine echte Last. Es nervt mich schon genug, dass ich mich regelmäßig rasieren und die Augenbrauen zupfen muss (sprich: wenn es wirklich nicht mehr anders geht) – da brauche ich noch ein weiteres „Muss“, das eigentlich gar keins ist.
Auf der anderen Seite bin ich überzeugt: Eine Frau – wie auch ein Mann – ist am schönsten, wenn sie natürlich, gepflegt und frisch ist. Davon kann die Schönheitsindustrie wohl schlecht leben…
Ich habe kein Problem damit, älter zu werden. Ich sehe das Altern als einen Prozess, der uns vor allem erfahrener – und damit auch weiser – macht. Stellt euch mal vor, wie viele Bücher man bis ins hohe Alter noch lesen kann. Wow!
Die Industrie, die gegen das Altern kämpft
Das Problem liegt woanders. Das Problem ist eine Gesellschaft, die darauf programmiert ist, das Altern zu bekämpfen. Deshalb findet man so gut wie kein Produkt zur PFLEGE grauer Haare – nur solche, die GEGEN dieses Phänomen ankämpfen. Und das ist wieder dieselbe Botschaft: Werde nicht grau, kämpfe dagegen an.
Und das geht nicht nur ums Geldausgeben – das wäre noch das kleinste Problem. Das eigentliche Problem ist der Wurm, der uns ins Unterbewusstsein eingepflanzt wurde und der dich schuldig und unsicher fühlen lässt, weil – schon wieder – irgendetwas an dir fehlt.
Von Pickeln bis zu Falten – ein Kampf ohne Ende
Als Teenager kämpfst du gegen Pickel. Dann kommen die Zwanziger, und endlich, könnte man meinen, darf man das Leben genießen. Pustekuchen – jetzt ist es Zeit, gegen die ersten Falten (und/oder grauen Haare) anzukämpfen und den Rest des Lebens damit zu verbringen, sich zu sorgen. Weil man ja – Gott bewahre – altert!
Und mal ehrlich: Ist euch eigentlich aufgefallen, dass grauhaarige Männer als attraktiver und markanter gelten, während Frauen mit grauen Haaren als „alte Schachtel“ oder „vergraut“ abgestempelt werden? In dieses Thema will ich jetzt nicht tiefer einsteigen – das verdient eine eigene, gründlichere Betrachtung. Aber denkt mal darüber nach…
Gott gebe, dass wir alle alt werden und nicht nur die Kinder unserer Kinder erleben, sondern auch deren Kinder.
Wenn meine Oma mir zu erklären versucht, wie sie sich fühlt, wenn sie Sofia sieht, und ihr die richtigen Worte fehlen, sagt sie einfach: „Gott gebe, dass du das selbst noch erlebst – dann weißt du, wovon ich rede.“ Und ich antworte nur: „Hoffentlich.“
Und das ist für mich das Einzige, was zählt – ob wir all die schönen Dinge erleben werden, die noch auf uns warten (für mich ist das vor allem die Familie, der Nachwuchs). Wie viele Falten oder graue Haare ich dann haben werde, ist mir wirklich egal.
Was mich viel mehr beunruhigt, ist der Gedanke, eines Tages Alzheimer zu bekommen und alles Gelesene und Gelernte zu verlieren – als dass mein Haar früher oder später weiß wird. Ob vor Kummer oder nicht, spielt dabei kaum eine Rolle.
S-Mama


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