Einer der größten Kämpfe, die man nach der Geburt mit der Verwandtschaft austrägt, dreht sich darum, wann man zum ersten Mal mit seinem Baby nach draußen DARF. Bei uns gibt es die alte Regel: Mama und Baby dürfen 40 Tage nicht nach draußen, um nichts in der Welt. Und ich frage: Warum?

Mir ist klar, dass die hygienischen Bedingungen früher anders waren, dass die Medizin weniger entwickelt war und dass sich die Menschen deshalb von Aberglauben leiten ließen.

Aber lasst uns das Problem einmal mit reiner Logik betrachten: Wer ist schon gern im Haus EINGESPERRT, und sei es nur ein paar Tage, wenn er nicht muss? Und ein Brauch ist nicht dasselbe wie körperliche Schwäche, er ist eben genau das, ein BRAUCH. Also, liebe Mamas, Babys auf den Arm oder in den Kinderwagen und ab an die frische Luft!

Eltern mit Kinderwagen beim Spaziergang durch einen grünen Park

Gibt es etwas Schöneres als einen Familienspaziergang?

Ich habe Ende Mai entbunden, genau dann, wenn das schöne Wetter beginnt und die Natur am schönsten ist. Und für jemanden wie mich, der nicht im Haus bleibt, sobald die Sonne herauskommt, und sei es nur durch die Wolken, war es undenkbar, 40 Tage (das ist auf jeden Fall mehr als ein Monat) zwischen vier Wänden zu sitzen! Warum sollte ich das tun? Ich brauche frische Luft, und was ich brauche, braucht auch mein Baby! Also haben mein Mann und ich als diejenigen, die direkt für das kleine Wesen verantwortlich sind, das wir auf die Welt gebracht haben, beschlossen, mit unserem Baby vom Tag der Entlassung aus der Klinik an JEDEN Tag spazieren zu gehen. Bei allem Respekt vor den Ratschlägen der Älteren (Mamas, Papas, Omas, Opas, Tanten und aller anderen).

Ehrlich gesagt sind auch wir zum ersten Mal Eltern und wurden nicht mit allem Wissen geboren, deshalb hole ich mir bei jeder wichtigen Entscheidung gern Rat bei Fachleuten, Hebammen und Ärzten. Darum habe ich schon vor der Entlassung aus der Klinik genau mit ihnen darüber gesprochen, wann man am besten mit Spaziergängen beginnt. Und sie haben mir Folgendes gesagt: Das Baby ist schon auf der Welt, also praktisch schon draußen, nicht mehr in der geschützten Umgebung von Mamas Bauch. Und außerdem kann man sich nicht vom Krankenhaus nach Hause teleportieren, das heißt, mit dem Verlassen der Klinik hat man das Baby schon nach draußen gebracht.

Da das Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, buchstäblich keine zehn Gehminuten von unserer Wohnung entfernt ist und wir sogar zur Geburt zu Fuß gegangen sind (zugegeben, mit Wehen hat der Weg eiiin bisschen länger gedauert), haben wir unser Baby mit dem Segen der Ärzte auch zu Fuß nach Hause gebracht. Wir haben es warm eingepackt, in die Babyschale gekuschelt und sind langsam durch den Park gegangen, der zwischen Klinik und Wohnung liegt.

Anfangs ließ mich mein Körper, erschöpft von der Geburt (denn eine Geburt ist auf jeden Fall Stress für den Körper), weder schnell noch lange gehen. Deshalb sind wir im ersten Monat nur durch die Straßen in der Nähe unserer Wohnung gelaufen, und diese Spaziergänge dauerten nie länger als eine halbe Stunde am Tag. Unserem Baby tat die Luft sehr gut, es schlief immer ein, sobald es die Frische der Außenwelt spürte. Und auch mir tat jede Sekunde dieser Spaziergänge gut. Körperlich, weil ich mit jedem Schritt spürte, wie ich stärker wurde und wieder zu meinem alten Ich zurückfand, und emotional, weil ich es kaum erwarten konnte, dass wir nun zu dritt spazieren gehen.

Ich finde, mit gesundem Menschenverstand kommt man leicht zu dem Schluss, dass es für Mutter und Kind viel gesünder ist, wenigstens kurz rauszugehen, und sei es nur in den Hof (denn jede Frau erlebt die Geburt anders und erholt sich in ihrem eigenen Tempo), als 40 Tage dieselbe Luft zu atmen und auf dieselbe Aussicht zu starren.

Hört nur auf euren Körper und euer Baby

Ich liebe meine Omas, Eltern, Verwandten und Freunde und respektiere sie sehr, aber alles verändert sich und entwickelt sich weiter, warum sollten wir also nicht auch manche uralten Gewohnheiten ändern? Schließlich bin ich die Mutter dieses Kindes und trage die Verantwortung für es.

Die anderen können ihre Meinung sagen, aber wie viel Erfahrung sie auch haben, sie sind nicht ihr und stecken nicht in eurem Körper. Wenn es euch passt, 50 Tage im Bett zu liegen und die Nase nicht vor die Tür zu stecken, ist das auch in Ordnung, solange IHR das so wollt und nicht, weil es irgendwann irgendwer zum absoluten Muss erklärt hat!

Ich glaube ehrlich, dass diese täglichen Spaziergänge auch der Grund dafür sind, dass ich mich in Rekordzeit körperlich großartig fühlte (nein, ich habe die zusätzlichen Kilos nicht über Nacht verloren, und dieses Phänomen interessiert mich auch nicht, das ist ein Thema für sich). Ich habe mich einfach nicht wie jemand gefühlt, der krank ist (denn ein neues Wesen auf die Welt zu bringen ist keine Krankheit, sondern, wie man bei uns sagt, ein ANDERER ZUSTAND).

Eine gesunde Frau und ein gesundes Kind wie Kranke zu behandeln und sie deshalb in einen engen Raum einzusperren, finde ich seeehr problematisch!

Es ist sehr wichtig, das Baby gut anzuziehen und vor Kälte, starker Sonne und Wind zu schützen, denn Babys brauchen Zeit, sich an die Temperatur außerhalb des Mutterleibs zu gewöhnen. Ansonsten könnt ihr jeden Tag spazieren gehen, so viel es euer Körper (der der Mutter) zulässt.

Herzlich,

S-Mama