Nicht nur andere Eltern wissen alles über die Erziehung eures Kindes und erteilen euch gern Ratschläge. Es gibt auch die anderen, die selbst keine Kinder haben und trotzdem am besten wissen, was ihr bei eurem falsch macht. Es ist höchste Zeit, dass wir uns auch mit ihnen ein bisschen beschäftigen.
In einem meiner früheren Texte habe ich über den Wettbewerb unter Eltern geschrieben. Diesmal geht es um eine andere Art von Problem: die allwissenden NICHT-Eltern.
Diese Spezies ist für sich genommen etwas Besonderes und verdient deshalb eine ausführliche Analyse und Vorstellung.
Das sind die Menschen, die keine Erfahrung mit Kindern haben, weil sie vor allem selbst keine haben und in vielen Fällen auch keine wollen. Für mich ist das überhaupt kein Problem, jeder gestaltet sein Leben so, wie es ihm am besten passt.

Wer es weiß, der weiß es. Wer es nicht weiß, setzt sich hin, lernt und probiert es dann in der Praxis aus.
Das Problem beginnt in dem Moment, in dem genau diese Menschen eine unbeschreibliche Berufung, Kompetenz und den Drang verspüren, euch als Eltern einen Vortrag darüber zu halten, wie man ein Kind betreut, ernährt, wie es sich benehmen soll, was es darf und was es auf keinen Fall darf und so weiter.
Ich frage mich, wer Menschen ohne eigene Kinder das Recht gibt, Eltern ständig zu predigen, was und wie sie es tun sollen? Irgendwie wissen alle aus dem Stegreif, was ihr ganz sicher falsch macht.
Ich muss zugeben, dass auch ich, bevor ich Mutter wurde, verurteilende Ansichten über viele Eltern hatte, ob ich sie kannte oder ihnen nur auf der Straße begegnete. Wenn ich ein Kind oder Elternteil sah, das sich anders verhielt, als ich es für angemessen hielt, dachte ich mir immer im Stillen: Mein Kind wird das nie machen, ich werde mich nie so verhalten und so weiter.
Aber wie es in der Bibel heißt: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“
Ich gebe meinen Fehler zu.
Allerdings habe ich meine Bemerkungen immer für mich behalten. Wenn zum Beispiel ein Kind auf der Straße oder in einem Geschäft sehr laut weinte (es ist fast unhöflich, zu sagen, dass es brüllte), dachte ich immer, es sei unerzogen oder die Eltern seien verantwortungslos, wenn sie so etwas zulassen. Aber ich habe mir nie das Recht herausgenommen, es ihnen auch zu sagen, denn ich hatte keine eigenen Kinder und fühlte mich nicht berufen, zu predigen. Gestört hat es mich trotzdem.
Elternsein plant man nicht, man baut es auf
Und dann wurde ich selbst Teil der Truppe namens Eltern. Und mein Blick auf die ganze Welt hat sich drastisch verändert. Vor allem habe ich verstanden, dass man ein Kind nicht programmieren kann, schon gar nicht, wenn es noch ganz klein ist, denn es hat seine eigenen Bedürfnisse und es ist ihm egal, ob es auf der Straße ist oder sonst wo. Wenn es Hunger hat, hat es Hunger, und das lässt es dich auch wissen.
Das heißt nicht, dass ein Kind immer und überall machen soll, was es will. Erziehung ist sehr wichtig, aber in der frühen Kindheit ist sozial akzeptables Verhalten eine sehr relative Sache.
Deshalb beobachte ich heute mit vollem Verständnis Mütter und Väter, die mit ihrem kleinen Engel kämpfen, denn ich war und bin selbst eine von ihnen. Ich kommentiere es immer noch nicht, aber ich schenke ihnen ein sehr mitfühlendes Lächeln, das sagt: Ich weiß, wie es dir geht, ich verstehe dich.
Eltern sein ist ein ernster Job
Heute reicht es nicht mehr, dass wir uns mit allen Mitteln bemühen, nach unseren eigenen Maßstäben gute Eltern zu sein. Von allen Seiten drängen sich Leute auf, die ihre eigenen Maßstäbe aufstellen, die wir erfüllen sollen. Und ich habe das wirklich satt.
Seit wann ist es okay, dass alle alles über alles wissen? Und das reicht noch nicht einmal, wir müssen ständig jemandem etwas predigen und das Haar in der Suppe suchen, damit wir mit dem Finger zeigen und urteilen können. Das ist weder schön noch anständig.
Auch ich hatte tausend „Regeln“, wie ich mit meinem Kind ganz sicher nicht umgehen werde, und dann hat mich die Praxis komplett geschlagen, denn ich habe begriffen, dass Nachdenken das eine ist und das Leben etwas ganz anderes.
Eltern sein ist überhaupt kein leichter Job. Man macht ihn 24 Stunden am Tag, ein Leben lang, es gibt keinen Urlaub und kein Wochenende, und man kann sich auch nicht darauf vorbereiten.
Es passiert dir einfach, und du passt dich an und baust es nach deinen eigenen Maßstäben auf, gemeinsam mit deinem Partner und mit einem Ziel: dass es deinem Kind gut geht.
Deshalb bitte ich alle, die keine Erfahrung mit Kindern haben, schon gar nicht mit eigenen, mal halblang zu machen und, statt zu theoretisieren und zu predigen, wie man es macht, wie man es nicht macht und wie sie es machen würden oder eben nicht, es erst einmal in der Praxis auszuprobieren und sich dann zu Wort zu melden.
Danke für eure Aufmerksamkeit.
Herzlich,
S-Mama

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