Bücher sind, solange ich mich erinnern kann, ein untrennbarer Teil meines Lebens.
Als ich klein war, haben mir alle Familienmitglieder täglich vorgelesen – denn das war mein liebstes Vergnügen in der Zeit, die ich zu Hause verbrachte.
Ich erinnere mich deutlich an meinen verstorbenen Opa, der immer Geduld für mich und meine Wünsche hatte, mir stundenlang vorzulesen – nie murrte er. Ich wusste immer, wo er seine Lesebrille abgelegt hatte, holte sie, nahm das auserwählte Buch vom Stapel und setzte mich mit dieser vollständigen Ausrüstung neben ihn – mit der klaren Aufforderung: „Opa, lies vor.“ Und er tat es.
Mama erzählte mir auch oft, dass ich als Kind ein echter kleiner Albtraum beim Einschlafen war – denn wenn man mir eine Gutenachtgeschichte vorlas, war ich davon noch keinen Moment dem Schlaf näher, ganz im Gegenteil: meine Aufmerksamkeit schärfte sich nur noch mehr. Nach jeder vorgelesenen Geschichte bat ich Mama um „noch eine einzige.“
So haben sie mir vorgelesen bis zu dem Tag, an dem ich es selbst konnte – und seitdem habe ich nicht mehr aufgehört.
Meine Lesegewohnheiten
Jeden freien Moment, der nicht durch unvermeidliche Pflichten besetzt ist, nutze ich genau dafür: fürs Lesen. Da ich mich auch sehr für berufliche Weiterbildung interessiere, gibt es bei mir zwei Lesekategorien – das Lesen für die Seele und das Lesen zur fachlichen Weiterbildung.
In die erste Gruppe fällt alles, was ich lesen möchte und keinen direkten Bezug zur Medientheorie hat – von Klassikern und Belletristik über moderne Bestseller bis hin zu epischer Fantasy (dass ich Hexen und Vampire liebe, würdet ihr mir nicht glauben).
Immer, aber wirklich immer wenn ich mit dem Lesen fertig bin, habe ich ein riesiges Problem – ich weiß nicht, was ich als nächstes lesen soll. Das klingt für euch vielleicht komisch, aber für mich ist das tatsächlich ein Problem, vor allem wenn ich eine „engere“ Auswahl von mehreren Büchern vor mir habe, die ich lesen würde. Dieses Problem löse ich ganz einfach – ich verlasse mich auf mein Gefühl.
Ich glaube, das Buch wählt mich – nicht ich das Buch.
So planmäßig ich auch meine „to read“-Liste anlege: sie plant mich nicht auf dieselbe Weise. Und das ist tatsächlich die Art, wie ich meinen Lesestoff für die Seele auswähle. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum ich trotz einer nicht kleinen Hausbibliothek immer auch einen Bibliotheksausweis dabei habe (und Gott sei Dank für Amazon und ihre Lieferung „bis morgen“) – vielleicht will ich gerade in diesem Moment etwas lesen, das ich nicht bei mir habe.
Eine weitere wichtige Regel ist, dass ich immer, aber wirklich immer ein Buch in meiner Tasche oder meinem Rucksack dabei habe. Mein Motto: Man weiß nie, wann sich eine ungeplante Gelegenheit zum Lesen ergibt – besser immer vorbereitet sein.
Ich finde, dass es in Momenten der Muße (geplant oder nicht – beim Warten in Schlangen, beim Bus- oder Zugfahren) besser ist, den Kopf zwischen Buchdeckel zu vergraben als ins Handy-Display.
Eine Familie von Bücherwürmern
Ich kann mir es nicht leisten zu sagen, dass meine Familie das Lesen nicht liebt – ganz im Gegenteil (von wem hätte ich das überhaupt lernen können?). Aber wenn es um meine junge Familie geht, hat das ganze eine etwas höhere Stufe erreicht.
Nun, nach der alten guten Regel – Gleich und Gleich gesellt sich gern – haben Marko und ich uns von dem Tag an gefunden, an dem wir uns kennenlernten – vor allem deshalb, weil wir beide unglaubliche Verliebte in BÜCHER sind.
Wie könnte man sich nicht wünschen, sein ganzes Leben mit jemandem zu verbringen, der einem nach wenigen Tagen Bekanntschaft das „Prager Friedhof“ von Umberto Eco schenkt? (Über meine Faszination für Eco werde ich euch ein anderes Mal schreiben, aber ihr habt bereits verstanden, dass Marko mit seiner Wahl einen echten Volltreffer gelandet hat.)
All unsere Liebe zu Büchern musste natürlich auch auf Sofia übergehen – teils durch die Gene, teils durch die Tatsache, dass sie von Geburt an von Büchern umgeben ist.
Ich habe ihr vorgelesen, als sie noch im Bauch war. Marko hat ihr buchstäblich ab ihrem ersten Lebenstag vorgelesen – noch im Krankenhaus. Jeden „freien“ Moment nutzte ich, indem ich laut vorlas, was mich interessierte – und sie hörte schon als ganz kleines Mädchen zu, auch wenn sie noch nichts klar verstand.
Wann sie ihr erstes Buch in den Händen hielt, weiß ich nicht genau – denn sie waren immer schon da. Wir haben sie ihr nie weggenommen. Vielleicht ist es genau das, dass sowohl unsere als auch ihre Bücher immer in Reichweite waren, was dazu geführt hat, dass sie nie auch nur eines zerrissen hat.
Da wir eine Familie von Bücherliebhabern – und Bücherabhängigen – sind, versteht es sich von selbst, dass wir Sofia Bücher kaufen: sowohl auf Deutsch als auch auf Serbisch. Das Strahlen in ihren Augen und die Begeisterung, die sie bei jedem neuen Buch zeigt, sind schlicht unbeschreiblich. Von der Menge, die ihr von Verwandten und Freunden aus Serbien zugeschickt wird, ganz zu schweigen.
Marko und ich scherzen oft, dass Sofia mit ihren noch nicht einmal zwei Jahren mehr Bücher hat, als wir beide zusammen bis zu unserer Ehe hatten. (Wir übertreiben natürlich – aber ihr versteht, worum es geht.)
Jetzt, wo sie schon „groß“ ist, sind die schönsten Momente des Tages genau die, wenn Sofka in ihr Zimmerchen verschwindet und nach einigen Augenblicken mit ihrer „Auserwählten“ des Moments auftaucht, sich auf meinen Schoß setzt und sagt „Mama, lies vor.“ Und Mama liest vor. Dass das Vorlesen vor dem Schlafengehen seit Langem selbstverständlich ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen.
Bücher sind für uns einfach ein untrennbarer Teil des Lebens.
Bücher sind kein Hobby. Sie sind eine Lebensweise.
Der Sinn dieser ganzen Geschichte ist nicht, dass ich oder meine Familie irgendwie klüger oder überlegen gegenüber irgendjemandem wären. Ganz im Gegenteil.
Dieser Text entstand aus reiner Liebe zu Büchern und zum Lesen – in der Hoffnung, dass sich unsere Begeisterung auf andere überträgt, dass auch sie Lust bekommen, etwas mehr ihrer Zeit diesem wunderbaren Hobby zu widmen.
S-Mama


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