Homeoffice ist seit über einem Monat unsere Realität. Viele Eltern arbeiten von zu Hause. Wir wissen, in welcher Situation wir stecken, und natürlich ist sie nicht ideal, vor allem der Grund, warum wir zu Hause bleiben, ist es nicht. Aber wir sind nun mal, wo wir sind, also warum nicht versuchen, das Beste daraus zu machen? Und nein, das hier ist keiner dieser rosaroten You can do it all-Texte.
Mein Mann hat bemerkt, dass ich in der Selbstisolation regelrecht „aufblühe“. Und er hat recht. Anscheinend schlägt die Waage meiner Persönlichkeit doch eher zur „introvertierten“ Seite aus, ich gebe es zu.
Mir tut es gut, meinen Tag selbst zu organisieren, und diese Art von Freiheit macht mich viel motivierter und produktiver, weil sie mir vor allem erlaubt, so viel mit meiner Familie zusammen zu sein, wie wir alle es brauchen. Und andererseits: Wenn gearbeitet wird, dann mit Volldampf.
Mir tut es gut, dass Sofia die ganze Zeit da ist. Zur Abwechslung tut es mir gut, dass wir nicht hetzen müssen, um rechtzeitig in den Kindergarten zu kommen, dann zur einen Arbeit, dann zur anderen, dann wieder in den Kindergarten, und immer so weiter im Kreis. Nach langer Zeit kann ich mich ihr endlich so widmen, wie und so viel ich es auch unter normalen Umständen gern würde.
Mir tut es gut, dass Marko den ganzen Tag zu Hause ist. Auch ihm tut es gut, dass er endlich durchatmen, lesen, an seiner Doktorarbeit und an Artikeln für Veröffentlichungen schreiben kann, ohne dass ihn jemand am Ärmel zieht, um noch tausend andere Dinge zu erledigen.
Eigentlich erinnert mich dieser Zustand zu Hause an meine Zeit im Masterstudium (minus die lauernde Corona-Gefahr).
Obwohl Sofia zu Hause ist und jede Sekunde des Tages mit mir verbringen möchte, schaffe ich an einem Tag viel mehr Arbeit als sonst. Der einzige Unterschied ist, dass ich nicht an das Ritual gebunden bin, von 9 bis 16 Uhr im Büro zu sitzen, sondern die Freiheit habe, meinen Tag selbst zu gestalten. Und ich merke, dass ich viel motivierter bin und mit weniger Druck viel schneller viel bessere Ergebnisse erziele.
Machen wir uns nichts vor: Von zu Hause zu arbeiten und dabei ein kleines Kind zu haben, ist überhaupt nicht einfach und weit davon entfernt, ideal zu sein.
Nicht, weil ihr euer Kind nicht liebt, sondern weil ein kleines Kind viel Aufmerksamkeit braucht. Vor allem unter den neuen Umständen, in denen es ausschließlich und direkt auf euch angewiesen ist. Kein Kindergarten, kein Spielen mit anderen Kindern im Park, keine Besuche von Freunden.
Dafür gibt es den ganzen Tag Spielen mit Mama und Papa.
Der Oma-und-Opa-Service ist für uns hier keine Option, weil Oma und Opa in Serbien leben und arbeiten. Der Tanten-Service ist ab und zu verfügbar, was uns wirklich unglaublich viel bedeutet. Aber auch sie hat ihre Arbeits- und Studienverpflichtungen, und es wäre ebenso egoistisch wie unrealistisch zu erwarten, dass sie einspringt, wann immer wir Hilfe bräuchten.
Wie schaffen wir es also allein? Was ist eigentlich der Schlüssel dazu, dass es bei uns funktioniert?
Hervorragende Organisation
Marko und ich funktionieren wirklich hervorragend zusammen. Wir haben nicht nur Verständnis füreinander, sondern versuchen auch, füreinander einzuspringen, wann immer es nötig ist. Wir stecken da gemeinsam drin, keiner von uns hat die wichtigeren Verpflichtungen.
Da wir beide von zu Hause arbeiten und ein kleines Kind haben, ist es unmöglich und unrealistisch, dass wir gleichzeitig arbeiten. Die erste und grundlegende Aufteilung, die wir eingeführt haben, ist die Aufteilung nach Tagen. Ich arbeite dienstags, donnerstags und freitags, er an den übrigen Tagen der Woche. An den Tagen, an denen ich vormittags arbeiten muss, spielt er mit Sofia, geht mit Beni Gassi und kümmert sich um den Haushalt. Und wenn er mit Arbeiten dran ist, übernehme ich das alles.
Es gibt sie, diese „perfekten“ Tage. Tage, an denen unsere Aufteilung wunderbar funktioniert. Aber häufiger sind die anderen, die realistischeren, unberechenbaren, so wie Kinder eben selbst sind. An solchen Tagen, wenn ich mit Arbeiten dran bin, hält Markos bester Wille, sich in dieser Zeit um Sofka zu kümmern, sie trotzdem nicht davon ab, ein paarmal ins Zimmer zu kommen, „nur um mich was zu fragen“ oder „nur um mir einen Kuss zu geben“.
Bereitschaft zu Kompromissen
Und dann? Die Konzentration ist mehrfach zerbrochen, und es gibt kein Zurück. Dann kommt die Kompromissbereitschaft ins Spiel. An solchen Tagen lege ich die Arbeit beiseite, Marko macht seins, und ich übernehme Sofia.
An diesen Tagen verschiebt sich meine Arbeitszeit in die Nachtschicht. Erst wenn Sofia eingeschlafen ist, setze ich mich wieder an meinen Schreibtisch und konzentriere mich ungestört auf meine Aufgaben. Für mich ist das der ideale Kompromiss, denn weder das Kind noch die Arbeit leidet darunter, und das ist enorm wichtig.
Prioritäten setzen
Vor allem ist es notwendig, Prioritäten zu setzen. Meine Priorität ist meine Familie, also mein Kind. Und da gibt es nicht viel zu überlegen. Das heißt nicht, dass die Arbeit darunter leidet oder dass sie mir egal ist. Es heißt einfach, dass ich mehr arbeite, wenn ich die Möglichkeit dazu habe, und das ist ab 20 Uhr, solange ich mich konzentrieren kann.
Realistisch sein
Andererseits wäre es unfair, nur dem Kind die Schuld an schlechten Tagen zu geben. Natürlich ist nicht jeder Tag ideal.
Wenn ich einen schlechten Tag habe und nicht richtig arbeiten kann, mache ich eine Pause und arbeite an diesem Tag gar nicht. Ich gönne mir ein „Wochenende mitten in der Woche“. An diesem Tag tue ich etwas für meine Seele (ich lese, schreibe, schaue Filme und Serien). Mir ist wichtig, dass ich mir das erlauben kann.
Ich bin mir bewusst, dass ich unglaubliches Glück habe, denn ich kann meine Arbeit nicht nur von zu Hause aus erledigen, sie ist auch so beschaffen, dass ich nicht zu einer bestimmten Uhrzeit am Rechner sitzen muss. Bei meiner Arbeit zählt, dass sie bis zu einem bestimmten Datum gut und erfolgreich erledigt ist, aber nicht, zu welcher Tageszeit.
Deshalb weiß ich auch: Wenn ich morgen einen guten und produktiven Tag habe, hole ich alles nach und schaffe viel mehr, als wenn ich nur vor dem Computer gesessen und mich geärgert hätte.
Wenn in diesen herausfordernden Zeiten etwas wichtig ist, dann gesund zu bleiben, körperlich wie psychisch. Seid also ehrlich zu euch selbst und realistisch, was eure Möglichkeiten angeht.
Bleibt gesund. #bleibtzuhause
S-Mama


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