Ich kann es nicht glauben: Der Tag ist tatsächlich gekommen, an dem ich meine Masterarbeit abgegeben habe! Ja, ja, ihr habt richtig gehört, die Qual (oder zumindest ihr größter Teil) hat ein Ende.
Okay, ich will nicht übertreiben, eine Qual war es nicht wirklich, denn ich schreibe und lerne wirklich gern. Aber dass es nicht leicht war und mir zeitweise unmöglich vorkam – oh ja, und wie.
Ein Jahr ohne Ausreden
Es ist genau ein Jahr her, seit ich mich zum ersten Mal an meinen Laptop gesetzt und offiziell angefangen habe, Literatur für meine Masterarbeit zu recherchieren. Vielleicht kommt euch das viel vor, aber nach den „Regeln“ hier in Deutschland schreibt man die Masterarbeit in einem Semester, also in sechs Monaten. Wenn man bedenkt, dass Deutsch nicht meine Muttersprache ist (nicht einmal annähernd) und dass ich eine Familie habe (Mann, Kind und obendrein einen Hund), ist ein Jahr gar nicht so lang, sondern eigentlich genau richtig. Ich bin also nirgends im Verzug, auch wenn es sich eine Million Mal anders angefühlt hat.
Wichtig ist, dass sie fertig ist. Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden? Ich weiß es nicht. Die Perfektionistin in mir ist nie mit etwas ganz zufrieden. Also musste ich irgendwann zu mir selbst sagen: „Schluss jetzt!“
Besser fertig als perfekt!
Aber wo bleibt eigentlich dieses Gefühl von Glück und Erleichterung, wenn man endlich am Ziel ist? Ich hoffe, es kommt noch, irgendwann, vielleicht…
Und was jetzt?
Was den offiziellen Teil angeht, bleibt mir nur noch zu warten, bis die Arbeit begutachtet und bewertet wird (was zwei Monate und länger dauern kann).
Was den inoffiziellen Teil angeht, werde ich mich jetzt erst einmal ein bisschen ausruhen, falls ich das überhaupt schaffe. Nicht, weil mir die Möglichkeit fehlt, sondern weil ich nun mal so bin. Keine Sorge, in meinem Planer steht schon lange eine Liste mit Dingen, die ich machen und erledigen will, sobald ich die Arbeit abgegeben habe. Und ja, regelmäßiger zu bloggen steht ganz oben auf dieser Liste. Ehrlich gesagt habe ich das regelmäßige Schreiben und Nachdenken sehr vermisst, aber das nicht-wissenschaftliche. Den Kopf einfach mal laufen lassen und die Finger frei über die Tastatur tanzen lassen.
Was mir am schwersten fiel
Abgesehen von all der Unsicherheit und den Zweifeln an mir selbst und meinen Fähigkeiten fiel mir am schwersten, dass ich mich in den letzten zweieinhalb Monaten nicht meiner Familie widmen konnte, vor allem nicht Sofia.
Marko hat in der ganzen Geschichte, wie immer, meisterhaft die Rolle übernommen, alle möglichen und unmöglichen Aufgaben rund um Sofia, den Haushalt und Beni auf sich zu nehmen, und dafür bin ich ihm unendlich und unbeschreiblich dankbar! Und er hat sich kein einziges Mal beschwert, obwohl ich weiß, dass es für ihn nicht leicht war, vor allem, weil wir als Familie schon immer so funktionieren, dass wir alles teilen: die Arbeit, die Pflichten und auch das Schöne. Er hat alles getan, damit ich täglich 8+ Stunden sitzen und schreiben konnte, ohne mir um irgendetwas anderes Sorgen machen zu müssen.
Sofia hat es verstanden. Oder sie hat sich zumindest bemüht zu verstehen, dass Mama, obwohl sie zu Hause im anderen Zimmer ist, nicht jedes Mal mit ihr kuscheln und spielen kann, wenn sie es möchte, sie weder in die Kita bringen noch abholen und auch nicht mit ihr auf den Spielplatz oder spazieren gehen kann. „Mama muss arbeitet schreibt“, sagte sie dann, kam nur zu mir, um mir einen Kuss zu geben, oder sagte beim Hinausgehen „schönen Tag Mama“. Und das fiel mir am schwersten. Dass ich nicht da war, obwohl ich da war. Seit ihrer Geburt war ich noch nie so sehr und so lange von ihr abwesend, und das hat wehgetan.
Sie hat kein Drama gemacht, nicht geweint und keine Wutanfälle bekommen, aber sie war sichtlich traurig, besonders in der letzten Woche meiner aktiven Arbeit. Und das hat mich innerlich zerrissen, so sehr, dass ich mich unzählige Male gefragt habe, ob sich das alles lohnt.
Aber dann habe ich mich wieder gefasst und mir gesagt, dass ich das alles zum Teil auch für sie tue. Es wäre nicht fair zu sagen, dass ich das alles nur für sie tue, aus dem einfachen Grund, dass nicht sie es war, die wollte, dass Mama den Master macht. Das ist allein mein Wunsch, und das ist es, was ich liebe – mich weiterzubilden und in der akademischen Welt meinen Platz zu finden. Aber was mich tatsächlich angetrieben hat und ausschließlich mit Sofia zu tun hatte, war das Wissen: Je früher ich fertig bin, desto früher kann ich mich ihr 30 von 24 Stunden am Tag widmen.
Und das hat mich angetrieben.
Jetzt ist Mama ganz da
Jetzt will sie keine Sekunde mehr von meiner Seite weichen. Egal, was wir machen, Hauptsache, Mama ist da und sie lacht die ganze Zeit. Jetzt soll Mama alles machen – Mama bringt sie in die Kita, Mama holt sie aus der Kita ab, Mama bringt sie ins Bett, Mama spielt, Mama geht mit Sofia und Beni Gassi. Mama ist endlich ganz da.
Sie sagt, sie ist glücklich, und ich bin noch glücklicher, wenn ich ihr Lächeln sehe. Ich weiß, dass es sich gelohnt hat. Und ich weiß, dass ich es mir ehrlich verdient habe, wenigstens in der nächsten Woche absolut nichts zu tun, außer mit ihr zusammen zu sein und es zu genießen. Alle anderen Pflichten und das Leben an sich können so lange warten.
Jetzt ist Mama da, und es ist Zeit, dass Papa mit Volldampf seinen eigenen Master zu Ende bringt.
Ohne die Unterstützung meiner Familie wäre ich nicht da, wo ich heute bin, und könnte nicht davon träumen, noch weiter zu gehen und meine eigenen Grenzen, aber auch die der Gesellschaft, zu verschieben.
Ich weiß, dass ich es kann, und sie glauben daran, dass ich es kann, und das reicht mir.


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