Ich war einer dieser schüchternen Jungs, die beim Fußball immer als Letzte gewählt wurden. Ein Streber mit vielen Freundinnen, aber nicht vielen Freundinnen im romantischen Sinne.
Vor etwa acht Jahren, als ich meine erste und bis dahin einzige längere Beziehung beendet hatte, dachte ich, ich würde nie heiraten. Beinahe hätte ich Recht behalten – die nächsten vier Jahre verbrachte ich solo, ohne große Hoffnung auf ein glückliches Ende meines Liebeslebens.
Mein Freund, der eine beachtliche Anzahl von Freundinnen hatte, tröstete mich damit, dass ich unter uns dennoch der Erste sein würde, der heiraten und sehr schnell die Liebe seines Lebens finden würde – so gehe das eben meistens bei Menschen, die wenig Beziehungen gehabt hätten. Damals glaubte ich ihm nicht. Heute weiß ich, dass er Recht hatte.
Vor vier Jahren habe ich geheiratet, nach knapp einem Jahr Beziehung – und jetzt haben wir Sofia, die gerade ein Jahr alt geworden ist!
Während dieser vier Jahre des Alleinseins übte ich mich in Geduld, entschlossen, die Liebe meines Lebens nicht zu verpassen, wie es vielen meinen Freunden passiert war, die bei Mädchen beliebt und begehrt waren und vielleicht in all dem Trubel die Richtige verpasst hatten. Das habe ich natürlich erst kürzlich verstanden!
Die Gewohnheit namens Liebe
Die Liebe meines Lebens trat wirklich sanft in mein Leben – und genau dann, als ich es am wenigsten erwartet hatte, irgendwie auch genau dann, als ich mich einfach entspannt hatte!
Sie kam zur richtigen Zeit und machte mich zu einem besseren Menschen…
Vor Mima hätte ich mir Ehe nicht einmal im Traum gewünscht – ich dachte, ich sei zu jung für so etwas. Aber dann spürte ich mit 23 Jahren fast sofort, dass ich in diese ungewisse Gewissheit eintreten wollte. Bis dahin war ich kein Traditionalist in Sachen Ehe, denn Menschen, die mir sehr wichtig waren, hatten dabei sehr schlechte Erfahrungen gemacht – aber das Herz hat gesprochen.
Damals, vor vier Jahren, mussten meine Frau und ich uns nach der Hochzeit zunächst aneinander gewöhnen. Nach einer Fernbeziehung (sie in Serbien, ich in Deutschland) und unseren Besuchen, die zwar intensiv, aber kurz waren, fanden wir uns plötzlich im gemeinsamen Leben in einem fremden Land wieder – und beide noch auf dem Studium in einer fremden Sprache, was für uns beide durchaus stressig war.
Diese Eingewöhnung – aneinander, an das fremde Land und die Kultur, ans Studium – verlief nicht immer reibungslos. Aber als wir gemeinsame Gewohnheiten entwickelt hatten, gemeinsame Ziele, einen gemeinsamen Tagesrhythmus, als wir Stück für Stück unsere Wohnung eingerichtet hatten, wurde alles so viel leichter. Eine große Hilfe war sicher auch, dass wir beide ähnliche Probleme hatten und viel mehr aufeinander angewiesen waren, weil unsere Eltern und Freunde weit weg waren.
Heute verstehe ich, was unsere Großmütter meinten: „Ich kannte ihn kaum, als wir heirateten – aber ich habe ihn mit der Zeit lieben gelernt.“ Natürlich haben wir geheiratet, weil wir uns geliebt haben – aber wenn man nicht an gemeinsamen Zielen und Gewohnheiten arbeitet, reicht Liebe allein irgendwann nicht mehr.
Ich glaube, bei unseren Großmüttern, die „blind“ geheiratet haben, entstand Liebe genau aus diesem gemeinsamen Atmen. Es fällt mir manchmal wirklich schwer, Menschen zu erklären, wie seltsam und schwer es sich für mich anfühlt, wenn ich mich länger oder ungeplant von meiner Frau trenne (und jetzt auch von Sofia) – denn sie sind einfach Teil jeder Sekunde meines Alltags und meine süße Gewohnheit.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für Familienzuwachs?
Eine der Fragen – und die ist wirklich nicht klein –, über die meine Frau und ich nicht sofort einer Meinung waren, war der Zeitpunkt für ein neues Familienmitglied. Mima wollte nicht in höherem Alter gebären, wenn jede Schwangerschaft risikoreicher ist – ich wiederum wollte erst mein Studium abschließen und finanziell auf eigenen Beinen stehen, bevor wir Kinder bekommen.
Im Gespräch mit Mima wurde mir jedoch klar, dass sich unsere finanzielle Lage in den nächsten fünf Jahren nicht wesentlich verändern würde – denn wir beide wollen nach dem Master promovieren, und wenn wir unsere Dissertationen fertigschreiben würden, wären wir bereits über dreißig und würden wieder neue Ausreden finden, eine Baby-Entscheidung aufzuschieben. Mit der Zeit meldete sich auch dieser „Vater- und Mutterinstinkt“ – und wir beschlossen, diesen magischen Moment nicht zu verpassen, und wagten das neue Abenteuer.
Wir haben wirklich viele Menschen kennengelernt, bei denen im Warten auf bessere Bedingungen für ein Baby ein Großteil des Lebens vergangen ist – und die jetzt weder bessere Bedingungen haben noch ein Baby!
Wenn es um eine Beziehung oder Ehe geht, muss man immer vorwärtsgehen und kleine Fortschritte machen – denn wer auf der Stelle tritt, der verfällt, wie ein halb fertig gebautes Haus, zunächst langsam und dann immer schneller, in sich selbst und überwächst sich mit Unkraut.
Wir wollten nicht warten, bis die idealen Umstände entstehen – denn die Umstände sind niemals ideal!
Wir wollten nicht erst ausprobieren, alles „erleben“ – und dann erst die Familie vergrößern. Denn wir haben verstanden, dass wir auch mit einem Baby „erleben“ können – und das sogar wunderbar!


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