{"id":6717,"date":"2025-05-11T16:46:35","date_gmt":"2025-05-11T14:46:35","guid":{"rendered":"https:\/\/smama.blog\/?p=6717"},"modified":"2026-09-12T10:41:39","modified_gmt":"2026-09-12T08:41:39","slug":"mental-load","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smama.blog\/de\/mental-load\/","title":{"rendered":"Mental Load bei M\u00fcttern"},"content":{"rendered":"<p data-pm-slice=\"1 1 []\">MENTAL LOAD BEI M\u00dcTTERN: Die Last, die wir t\u00e4glich tragen \u2013 und die niemand sieht!<!--more--><\/p>\n<p data-pm-slice=\"1 1 []\">Fr\u00fcher Morgen, irgendwo gegen halb sechs. Ich habe meine Augen noch nicht ge\u00f6ffnet, weil ich wei\u00df, dass ich noch etwas Zeit habe, bevor der Wecker den Beginn eines neuen Arbeitstages ank\u00fcndigt. Aber mein Kopf interessiert das nicht.<\/p>\n<p>Er beginnt mit voller Geschwindigkeit zu rasen:<\/p>\n<ul>\n<li>Was soll ich Sofka heute f\u00fcr die Jause einpacken? (Ich gehe im Kopf den K\u00fchlschrank durch und \u00fcberlege, was gerade verf\u00fcgbar ist);<\/li>\n<li>Ich muss ihr den Helm und die Skihandschuhe einpacken, denn heute geht es mit der Schule zum Eislaufen;<\/li>\n<li>Nicht vergessen, ihr Geld f\u00fcrs Theater mitzugeben \u2013 der Lehrer hat angek\u00fcndigt, dass sie n\u00e4chste Woche gehen;<\/li>\n<li>Oh, ich war noch nicht im Keller, um zu schauen, was wir f\u00fcr die Spendenaktion f\u00fcr das lokale Obdachlosenheim abgeben k\u00f6nnten!<\/li>\n<li>Benny kommt heute mit zur Arbeit \u2013 nicht vergessen, seine Medikamente einzupacken, falls ihm wieder schlecht wird; Auch nicht vergessen, ihm Futter mitzunehmen;<\/li>\n<li>Was soll ich mir selbst zum Mittagessen vorbereiten?<\/li>\n<li>Warte \u2013 heute ist Donnerstag \u2013 du hast mit Ana vereinbart, dass ihr Salat bestellt;<\/li>\n<li>Also nicht vergessen, Bargeld mitzunehmen, damit du den Salat auch bezahlen kannst.<\/li>\n<li>Hatte ich nicht Sofkas Kontrolltermin beim Augenarzt ausgemacht?<\/li>\n<li>Sie hat sich beschwert, dass ihre Sportschuhe zu klein sind \u2013 ich muss ihr neue kaufen.<\/li>\n<li>Hat sie genug Socken?<\/li>\n<li>Nach der Arbeit muss ich noch ein Geschenk f\u00fcr eine Kollegin besorgen, die in Mutterschutz geht \u2013 was hat mir nochmal gefehlt&#8230;<\/li>\n<li>Ach ja, die Gl\u00fcckwunschkarte \u2013 nicht vergessen mitzunehmen, damit die anderen Kollegen unterschreiben k\u00f6nnen;<\/li>\n<li>Oh je, ich muss auch noch einen Text f\u00fcr die Karte \u00fcberlegen&#8230;<\/li>\n<li>Wann war nochmal Bennys n\u00e4chster Impftermin mit den Vitaminen?<\/li>\n<li>Haben wir genug Hundefutter f\u00fcr die Feiertage oder muss ich nach der Arbeit neues kaufen?<\/li>\n<li>Und warte mal \u2013 wann hat der Tierarzt heute \u00fcberhaupt offen?<\/li>\n<\/ul>\n<p data-pm-slice=\"1 1 []\">Und so geht es weiter&#8230; Ich mache endlose mentale Listen, wie Sarah Jessica Parker im Film \u201eWorking Mum\u201c. Bis ich mich schlie\u00dflich dazu zwinge, die Augen zu \u00f6ffnen und aufzustehen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, ich bin nicht die Einzige. Wir alle machen das. Manche vor dem Einschlafen, andere \u2013 wie ich \u2013 sogar noch bevor sie die Augen \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Und das jeden Tag \u2013 ohne dass wir \u00fcberhaupt merken, wie viel Zeit und Energie das kostet.<\/p>\n<p>Auch ich war mir nicht bewusst, wie viele \u00e4hnliche Gedanken mir jeden Tag durch den Kopf gehen. Was ich nicht erledigt habe, was ich noch erledigen muss, was ich vergessen habe&#8230;<\/p>\n<p>Und dann kommen noch die Gedanken hinzu, dass ich mich nicht genug anstrenge, dass ich vielleicht noch eine halbe Stunde l\u00e4nger h\u00e4tte arbeiten k\u00f6nnen oder eine Stunde mehr mit Sofka verbringen sollen&#8230;<\/p>\n<p><em>Und wann habe ich eigentlich zuletzt einen neuen Text geschrieben?<\/em><\/p>\n<p>Ja, daf\u00fcr gibt es einen Namen in der Wissenschaft \u2013 und das macht es real und greifbar.<\/p>\n<p>Nein, es liegt nicht nur an dir. Es betrifft uns alle. Und es nennt sich <strong>Mental Load.<\/strong> Und \u2013 welch \u00dcberraschung \u2013 er betrifft besonders M\u00fctter.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal wurde mir das wirklich bewusst, als ich das Buch <em>Das Unwohlsein der modernen Mutter<\/em> von Mareice Kaiser las:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMental Load bezeichnet die geistige und organisatorische Belastung, die jemand tragen muss, um den Haushalt und famili\u00e4re Verpflichtungen am Laufen zu halten \u2013 eine Last, die f\u00fcr andere oft unsichtbar bleibt.\u201c (S. 87)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/mima_smama\/\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-6710 size-large\" src=\"https:\/\/smama.blog\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/MRK09986-min-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" \/><\/a><\/p>\n<h2 data-pm-slice=\"1 1 []\">\u201eSuperkraft\u201c oder chronische \u00dcberlastung?<\/h2>\n<p data-pm-slice=\"1 1 []\">Als Frauen sind wir gesellschaftlich von klein auf darauf konditioniert, uns um andere zu k\u00fcmmern, und wir glauben, dass \u201eMultitasking\u201c eine typische \u201eSuperkraft\u201c von Frauen ist \u2013 insbesondere von M\u00fcttern. Wir f\u00fchlen uns stark und wichtig, wenn wir es schaffen,<a href=\"https:\/\/smama.blog\/de\/mama-bei-der-arbeit\/\"> uns um alles und jeden zu k\u00fcmmern.<\/a><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen alles \u2013 und das alles gleichzeitig.<\/p>\n<p>Aber uns ist oft gar nicht bewusst, wie <strong>belastend<\/strong> das alles wirklich ist.<\/p>\n<blockquote><p>Es geht also nicht um eine Superkraft von uns Frauen oder eine zwanghafte Kontrolle, sondern um eine psychische Last, die wir unbewusst auf uns nehmen, sobald wir die Rolle der Mutter \u00fcbernehmen \u2013 als w\u00e4re sie ein \u00e4sthetisches Accessoire.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und dann fragen wir uns, warum wir so ersch\u00f6pft sind. Warum wir irgendwann einfach nicht mehr k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Deshalb: <strong>Weil wir 24 Stunden am Tag \u201earbeiten\u201c, jeden Tag, ohne Pause und ohne dringend n\u00f6tige Erholung.<\/strong><\/p>\n<p>So lange war ich \u00fcberzeugt, mein m\u00fctterliches Multitasking sei meine Superkraft.<\/p>\n<p>Nein \u2013 ich bin kein Kontrollfreak. Ich gratuliere mir selbst \u2013 ich bin auf die Masche reingefallen.<\/p>\n<p>Well done Patriarchy, well done.<\/p>\n<p>Mir ist klar, dass meine <a href=\"https:\/\/smama.blog\/de\/gluecklich-ich-mit-marko\/\">Partnerschaft mit Marko<\/a> nicht wie die meisten Ehen heutzutage ist. Auch nach zw\u00f6lf Jahren Ehe ist es f\u00fcr uns ganz selbstverst\u00e4ndlich, dass wir uns bei der Hausarbeit abwechseln, uns beide um Sofka und Benny k\u00fcmmern \u2013 und auch umeinander. Das geh\u00f6rt f\u00fcr uns einfach dazu.<\/p>\n<p>Wenn er sieht, dass der W\u00e4schekorb voll ist, stellt er eben die Maschine an.<\/p>\n<p>Wenn ich sehe, dass der M\u00fclleimer voll ist, bringe ich ihn raus.<\/p>\n<p>Aber leider hat er immer noch nicht gelernt, meine Gedanken zu lesen.<\/p>\n<p>Und das ist <strong>eine der gr\u00f6\u00dften Illusionen unserer Zeit \u2013 dass der Partner von selbst wissen muss, was wir brauchen oder was uns st\u00f6rt.<\/strong><\/p>\n<p>Ich dachte immer, dass wir gut kommunizieren und unsere gemeinsamen Aufgaben gerecht aufteilen. Aber erst beim Lesen dieses Buches wurde mir klar, wie viel unsichtbare mentale Arbeit ich leiste \u2013 ohne es \u00fcberhaupt zu merken.<\/p>\n<p>Wie das Leben so spielt, war es genau in der Zeit, in der ich begann, mich mit dem Thema Mental Load auseinanderzusetzen, als Marko mich eines Morgens beim Kaffee ganz unvermittelt fragte:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWei\u00dft du, mir ist aufgefallen, dass du immer die bist, die Sofkas Arzttermine organisiert. Ich habe keine Ahnung, wann sie das n\u00e4chste Mal zum Augenarzt oder zum Zahnarzt muss.\u201c<\/p>\n<p>\u201eInteressant, dass dir das aufgefallen ist. Ich habe die ersten paar Termine aus einem Automatismus heraus gemacht \u2013 und danach einfach die Organisation weiter \u00fcbernommen. Aber ehrlich gesagt belastet es mich, an alles denken zu m\u00fcssen\u2026 Und wenn wir schon dar\u00fcber sprechen \u2013 meistens fange ich gleich beim Aufwachen an, im Kopf durchzugehen, was alles zu tun, mitzunehmen oder zu organisieren ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa dann ist es kein Wunder, dass du abends um acht schon v\u00f6llig fertig bist! Hey, ich bin da \u2013 wie kann ich dich entlasten? Ich \u00fcbernehme ab jetzt die Arzttermine!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und just in dem Moment ist <strong>ein Teil der Last von meinen Schultern gefallen.<\/strong><\/p>\n<h2 data-pm-slice=\"1 1 []\">Vom Chaos zum Farbsystem<\/h2>\n<p><strong>Gute Organisation<\/strong> bedeutet nicht, dass das Gef\u00fchl der mentalen \u00dcberlastung verschwindet \u2013 aber sie kann es zumindest ein St\u00fcck weit lindern.<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<strong>Warum sich alles merken, wenn man es auch aufschreiben kann?\u201c<\/strong> \u2013 das ist mein Motto. Es reduziert das Chaos im Kopf erheblich, nimmt es aber leider nicht vollst\u00e4ndig weg.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir sind als Familie noch einen Schritt weiter gegangen. Um unseren Familienalltag besser zu koordinieren, teilen Marko und ich einen Google-Kalender auf unseren Handys. Dort stehen alle wichtigen famili\u00e4ren und individuellen Termine.<\/p>\n<p>Ein guter Freund sagte einmal, als wir versuchten, einen gemeinsamen Termin f\u00fcr einen Spieleabend zu finden:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDein Kalender sieht aus wie Tetris \u2013 mit all diesen Eintr\u00e4gen und Farben! Wie findest du dich in diesem Chaos zurecht?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber wenn ich unseren Familienkalender anschaue, sehe ich kein Chaos \u2013 ich sehe Struktur. Ich muss nicht mal lesen, was in welchem Termin steht \u2013 allein anhand der Farbe wei\u00df ich, um wessen Termin es sich handelt und wann wir als Familie gemeinsame Zeit f\u00fcr zus\u00e4tzliche Aktivit\u00e4ten haben, wie eben einen Spieleabend mit Freunden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich steckt hinter jeder Farbe ein eigenes System, das uns das Leben erleichtert: Sofkas Termine sind apricotfarben, meine violett, Markos hellblau, Familientermine gelb und sehr wichtige Termine \u2013 wie Arztbesuche \u2013 rot. Und nein, ich bin nicht die Einzige, die Termine eintr\u00e4gt \u2013 wir machen das beide.<\/p>\n<p>Marko wei\u00df jederzeit, wann Sofka ihren n\u00e4chsten Arzttermin hat, oder wann ich mit Kolleginnen ins Kino gehe \u2013 genauso wie ich wei\u00df, wann er zum Yoga geht oder mit Freunden Playstation spielt.<\/p>\n<h2 data-pm-slice=\"1 1 []\">Mentale Schleife ohne Pause<\/h2>\n<p>Aber ja, trotz all unserer guten Organisation und unserem eingespielten Alltag wurde mir erst beim Lesen des besagten Buches klar: <strong>Ja, mein Feminismus lebt in unserer Beziehung \u2013 und trotzdem bin ich selbst ein Opfer des Mental Load, der bei M\u00fcttern auftritt.<\/strong><\/p>\n<p>Denn ich bin diejenige, die dar\u00fcber nachdenkt, ob alle Arzttermine rechtzeitig vereinbart wurden, ob eine Kontrolluntersuchung vergessen wurde, ob an den Kindergeburtstag gedacht wurde \u2013 und das Geschenk daf\u00fcr auch.<\/p>\n<p>Wenn Sofka w\u00e4hrend der Schulwoche ihre Eislaufsachen mitnehmen muss; ob ich ihr Geld f\u00fcrs Theater gegeben oder das Einverst\u00e4ndnisformular f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung ihres Fotos auf der Schulwebseite unterschrieben habe.<\/p>\n<p>Dazu kommen nat\u00fcrlich die Tierarzttermine, Impfungen und die Medikamentengabe f\u00fcr den Hund.<\/p>\n<p>Und dann noch: genug Aktivit\u00e4ten und Verabredungen f\u00fcr die Ferien organisieren, damit dem Kind nicht langweilig wird \u2013 aber auch nicht zu viel, damit es nicht \u00fcberfordert ist und Zeit zum Ausruhen, f\u00fcr freies Spiel oder auch einfach mal zum Nichtstun bleibt. Ja, auch darum k\u00fcmmern sich M\u00fctter, also ICH.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/mima_smama\/\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-6707 size-large\" src=\"https:\/\/smama.blog\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ChatGPT-Image-11.-Mai-2025-15_43_11-min-683x1024.png\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" \/><\/a><\/p>\n<p data-pm-slice=\"1 1 []\">Und nein, ich will mit alldem nicht sagen, dass es mir schwerf\u00e4llt, mich um meine Familie oder Freund*innen zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Im Gegenteil \u2013 ich habe mich bewusst daf\u00fcr entschieden, Ehefrau und Mutter zu sein. <strong>Aber ich kann mich nicht erinnern, mich jemals freiwillig f\u00fcr ein zus\u00e4tzliches mentales \u00dcbergewicht und ein permanentes schlechtes Gewissen angemeldet zu haben.<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Oder geh\u00f6rt Mental Load etwa zu den \u201eunerw\u00fcnschten Nebenwirkungen\u201c bzw. \u201eNutzungsbedingungen\u201c, die im Ehevertrag mit ultrakleinen Buchstaben aufgef\u00fchrt sind \u2013 die niemand liest?<\/p><\/blockquote>\n<p>Oder haben wir, wie in Goethes Faust, alle diesen unsichtbaren Pakt mit dem Teufel geschlossen \u2013 in dem Moment, in dem wir uns entschieden haben, ein neues Leben in diese Welt zu bringen? Nur ist der Teufel in unserem Fall ein besonders hinterh\u00e4ltiger: <strong>das Patriarchat.<\/strong><\/p>\n<p>Im Unterschied zu Faust haben wir einen Ausweg \u2013 wir k\u00f6nnen ihn selbst finden, oder noch besser, gemeinsam mit unseren Partnern \u2013 wenn wir welche haben.<\/p>\n<h2 data-pm-slice=\"1 1 []\">Emotionale und mentale Arbeit: unsichtbar, aber real<\/h2>\n<p>All die emotionale und mentale Arbeit, die wir leisten, ist weit davon entfernt, sichtbar zu sein \u2013 und noch weiter davon, anerkannt zu werden.<\/p>\n<p>Von einer materiellen Entlohnung ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Ich war selbst schockiert, als ich erfuhr, dass Haus- und Sorgearbeit bis zur Mitte des Mittelalters und dem Beginn des Fr\u00fchkapitalismus tats\u00e4chlich als gleichwertig zu bezahlter Arbeit au\u00dferhalb des Hauses angesehen wurde. Denn beide T\u00e4tigkeiten mussten erledigt werden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber schreibt auch <a href=\"https:\/\/www.rowohlt.de\/buch\/mareice-kaiser-das-unwohlsein-der-modernen-mutter-9783499003493\">Silvia Federici in ihrem Buch <em>Caliban und die Hexe<\/em><\/a>. Vor der Etablierung des Kapitalismus waren Frauen in feudalen Gemeinschaften an verschiedenen Formen der Produktion beteiligt und hatten Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen.<\/p>\n<p>Silvia Federici betont, dass Frauen damals \u00fcber ein gewisses Ma\u00df an Autonomie verf\u00fcgten und ihre Arbeit innerhalb der Gemeinschaft sichtbar und anerkannt war. Mit dem Aufkommen des Kapitalismus hingegen kam es zu einer systematischen Abwertung weiblicher Arbeit.<\/p>\n<p>Federici argumentiert, dass der Kapitalismus eine neue gesellschaftliche Arbeitsteilung einf\u00fchrte, die Frauen in die unbezahlte Sph\u00e4re von Hausarbeit und Reproduktion verdr\u00e4ngte \u2013 wodurch ihr Beitrag unsichtbar und abgewertet wurde.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6rperliche Arbeit \u2013 oder Nicht-Arbeit \u2013 ist messbar.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn niemand das Geschirr sp\u00fclt, sieht man es im Sp\u00fclbecken \u2013 es ist greifbar.<\/p>\n<p><strong>Aber diese mentale Arbeit ist unsichtbar<\/strong>, und deshalb wissen viele nicht einmal, dass sie sie leisten \u2013 oder andere erkennen ihr Gewicht nicht.<\/p>\n<blockquote><p>Und genau das ist der Kern des Mental Load. Es gibt keinen Schalter, um ihn auszuschalten, keine rote Lampe, die anderen anzeigt, dass gerade Hochbetrieb herrscht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Deshalb ist es wichtig, dass wir uns dessen zun\u00e4chst einmal bewusst werden \u2013 damit wir ihn bei uns selbst erkennen und lernen, damit umzugehen \u2013 oder ihn zumindest zu verringern.<\/p>\n<p>Damit die Last zu einem kleinen H\u00e4ufchen wird, und vielleicht irgendwann ganz verschwindet. Damit die aufgew\u00fchlten Gedanken und endlosen To-do-Listen kleiner werden und, sobald sie auf Papier oder im Kalender notiert sind, dort auch bleiben.<\/p>\n<p><strong>Damit das unn\u00f6tige Gedankenrauschen im Kopf aufh\u00f6rt.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist das Ziel.<\/p>\n<h2 data-pm-slice=\"1 1 []\">Wir brauchen keine Hilfe \u2013 wir brauchen Gleichberechtigung<\/h2>\n<p>Der erste Schritt zur Ver\u00e4nderung ist, das Problem \u00fcberhaupt zu erkennen. Der zweite Schritt ist, unsere Sprache zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Solange wir davon sprechen, dass unsere Partner uns \u201ehelfen\u201c im Haushalt, bei der Kinderbetreuung oder im Alltag, kommen wir nicht weiter. Denn mit dieser Formulierung r\u00fccken wir unbewusst unsere alleinige Zust\u00e4ndigkeit in den Vordergrund.<\/p>\n<blockquote><p>Wir brauchen keine Hilfe. Wir brauchen <strong>Gleichberechtigung.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Haus ist nicht meins. Das Kind ist nicht meins. Es ist unser Haus. Unser Kind.<\/p>\n<p><strong>Was wir brauchen, ist ein Mitstreiter. Ein Weggef\u00e4hrte. Ein Teamplayer. Ein Partner.<\/strong><\/p>\n<p>Und wenn wir unsere Perspektive und unsere Wortwahl \u00e4ndern, m\u00fcssen wir auch die Art unserer Kommunikation \u00e4ndern \u2013 das hei\u00dft, wir m\u00fcssen klar und ruhig sagen:<\/p>\n<p>\u201eHey, ich kann nicht mehr. K\u00f6nntest du bitte &#8230; \u00fcbernehmen, und ich mache daf\u00fcr &#8230;?\u201c<\/p>\n<p>So zauberhaft wir auch sein m\u00f6gen \u2013 wir k\u00f6nnen unsere Partner nicht verhexen, damit sie unsere Gedanken lesen und unsere Bed\u00fcrfnisse erraten.<\/p>\n<p>Ja, es w\u00e4re magisch \u2013 aber die Realit\u00e4t ist alles andere als zauberhaft.<\/p>\n<p>Dein Partner muss nicht wissen, was dir im Kopf herumschwirrt oder was dir zu viel wird \u2013 <strong>du musst es ihm sagen. Ruhig, klar und ohne Vorw\u00fcrfe.<\/strong><\/p>\n<p>Denn selbst wenn unsere Partner aktiv am Familienleben teilnehmen, wie Marko, <strong>hei\u00dft das nicht, dass sie wissen, was wir tragen \u2013 und deshalb k\u00f6nnen sie auch keinen Teil der Last \u00fcbernehmen, solange wir es nicht teilen.<\/strong><\/p>\n<p>Und du wirst \u00fcberrascht sein, was sie alles schaffen \u2013 ohne dass du \u00fcberhaupt eingreifen musst.<\/p>\n<blockquote><p>Und falls deine Partnerin Schwierigkeiten hat, ihre Bed\u00fcrfnisse auszudr\u00fccken \u2013 liebe M\u00e4nner: \u00fcbernehmt die Initiative!<\/p><\/blockquote>\n<p>Es wird euch keine Krone vom Kopf fallen, wenn ihr einmal t\u00e4glich fragt:<\/p>\n<p>\u201eHey, wie geht\u2019s dir? Was kann ich tun, damit es dir besser geht?\u201c<\/p>\n<p>Marko bringt Sofka jede Woche zur Logop\u00e4din, vereinbart ihre Zahnarzttermine und geht mit Benny zum Tierarzt, wenn es n\u00f6tig ist.<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe losgelassen. Er hat \u00fcbernommen. Ich muss ihn nicht daran erinnern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Welt ist nicht untergegangen. Kein Weltuntergang ist passiert.<\/p>\n<p><strong>Ich schlafe ruhiger.<\/strong><\/p>\n<p>Und wache selten vor sechs Uhr morgens auf.<\/p>\n<p>Es ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Herzlich,<br \/>\n<em>S-Mama<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MENTAL LOAD BEI M\u00dcTTERN: Die Last, die wir t\u00e4glich tragen <a href=\"https:\/\/smama.blog\/de\/mental-load\/\"> 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